Neues Transparenzregister ab 1. Oktober 2026: Was Unternehmen jetzt wissen müssen
Ab dem 1. Oktober 2026 gelten in der Schweiz neue Transparenz- und Meldepflichten für zahlreiche Unternehmen. An diesem Datum tritt das Bundesgesetz über die Transparenz juristischer Personen und die Identifikation der wirtschaftlich berechtigten Personen (TJPG) zusammen mit der entsprechenden Verordnung (TJPV) in Kraft. Es führt ein zentrales, nicht öffentlich zugängliches Transparenzregister ein. Unternehmen müssen künftig ihre wirtschaftlich berechtigten Personen identifizieren, überprüfen, dokumentieren und melden.
1. Was ist das neue Transparenzregister?
Das TJPG bezweckt, Informationen über die wirtschaftlich berechtigten Personen von Unternehmen zentral verfügbar zu machen und damit insbesondere die Bekämpfung von Geldwäscherei und Finanzkriminalität zu stärken (Art. 1 TJPG).
Das Transparenzregister wird gemäss Art. 20 TJPG vom Bundesamt für Justiz geführt und ist nicht öffentlich zugänglich. Einsicht erhalten nur die gesetzlich vorgesehenen Behörden und weiteren berechtigten Stellen (Art. 25 ff. TJPG). Neben der langen Liste an Behörden (insbesondere verschiedenen Strafverfolgungs- und Ermittlungsbehörden sowie Behörden, die mit der Bekämpfung von Geldwäscherei, (Sozial-)Versicherungsbetrug und Schwarzarbeit oder der internationalen Amtshilfe in Steuersachen betraut sind) umfasst dies auch die Finanzintermediäre und Berater gemäss Art. 2 GwG sowie die Selbstregulierungsorganisationen.
2. Welche Unternehmen sind betroffen?
Das TJPG erfasst einen breiten Kreis von juristischen Personen. Dazu gehören insbesondere:
- Aktiengesellschaften (AG);
- Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH);
- Genossenschaften;
- sowie weitere in Art. 2 TJPG aufgeführten Rechtseinheiten.
Auch gewisse juristische Personen des ausländischen Rechts werden vom TJPG erfasst, wenn sie einen ausreichenden Bezug zur Schweiz aufweisen, namentlich eine Zweigniederlassung, ihre tatsächliche Verwaltung oder ein Grundstück in der Schweiz haben.
Das Gesetz sieht gleichzeitig verschiedene Ausnahmen in Art. 3 TJPG vor. Nicht erfasst sind unter anderem ganz oder teilweise börsenkotierte Gesellschaften und deren zu mehr als 75 Prozent gehaltenen Tochtergesellschaften, Einrichtungen der beruflichen Vorsorge (dass hier die zu mehr als 75 Prozent gehaltenen Tochtergesellschaften nicht erwähnt sind, dürfte ein gesetzgeberisches Versehen sein, vgl. Galli Dario/Vischer Markus: Die Übergangsbestimmungen des TJPG, AJP 9/2026, S. 1005) sowie juristische Personen, bei denen mindestens 75 Prozent der Beteiligungsrechte direkt oder indirekt von Gemeinwesen gehalten werden.
3. Welche Pflichten treffen die Gesellschaft?
Die Pflichten der Gesellschaft sind in den Art. 7–12 TJPG geregelt. Die Gesellschaft muss ihre wirtschaftlich berechtigten Personen identifizieren und deren Angaben überprüfen (Art. 7 TJPG). Als wirtschaftlich berechtigte Personen gelten natürliche Personen, die eine Gesellschaft direkt oder indirekt, allein oder gemeinsam mit Dritten, mit mindestens 25 % der Kapital- oder Stimmrechte oder auf andere Weise kontrollieren. Die Konstellationen «auf andere Weise» werden in Art. 3 TJPV näher konkretisiert. Eine solche liegt insbesondere vor, wenn eine Person die Mehrheit des Leitungs- oder Verwaltungsorgans bestimmen oder abberufen kann, über ein Veto bei wesentlichen Unternehmensentscheiden verfügt oder Entscheidungen über Gewinnausschüttungen oder andere Vermögensverfügungen bewirken kann. Die Kontrolle kann sich u.a. aus Verträgen, Kapitalinstrumenten, Statuten oder Treuhandverhältnissen ergeben und auch indirekt ausgeübt werden. Kann keine solche Person identifiziert werden, gilt subsidiär das oberste Mitglied des leitenden Organs als wirtschaftlich berechtigte Person (Art. 4 Abs. 2 TJPG). Bei indirekten oder komplexen Beteiligungsstrukturen ist daher die gesamte Kontrollkette zu prüfen. Nebst den Beteiligungen sind zudem auch andere, gesetzliche, statutarische oder vertragliche Möglichkeiten zur Kontrolle zu analysieren.
Die erhobenen Informationen sind zu dokumentieren und aktuell zu halten. Die entsprechenden Unterlagen müssen bis zehn Jahre nach Wegfall des gemeldeten Tatbestands aufbewahrt werden (Art. 8 TJPG). Die wirtschaftlich berechtigte Person ist ihrerseits verpflichtet, der Gesellschaft die erforderlichen Angaben zu liefern und hat bei Änderungen ebenfalls eine Mitteilungspflicht an die Gesellschaft, damit diese ihrer eigenen Meldepflicht nachkommen kann.
4. Meldung an das Transparenzregister
Die Gesellschaft muss die wirtschaftlich berechtigten Personen dem Transparenzregister melden. Zu melden sind insbesondere Name, Vorname, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeiten, Wohnsitzgemeinde und Wohnsitzstaat sowie Angaben über Art und Umfang der Kontrolle (Art. 9 Abs. 1 TJPG).
Für neu gegründete Gesellschaften gilt eine Frist von einem Monat ab Eintragung ins Handelsregister (Art. 9 Abs. 4 TJPG). Auch Änderungen bereits eingetragener Tatsachen und über den Wortlaut des Gesetzes hinaus auch neu hinzutretende Tatbestände müssen gemeldet werden (vgl. dazu Galli/Vischer, a.a.O, S. 1001 f., 1010). Die Gesellschaft hat eine entsprechende Änderung innerhalb eines Monats nach Kenntnisnahme zu melden (Art. 10 TJPG).
Die Verantwortung für die ordnungsgemässe Meldung liegt beim obersten Mitglied des leitenden Organs (Art. 12 TJPG). Die Eintragung, Änderung und Löschung sind grundsätzlich gebührenfrei (Art. 41 Abs. 1 TJPG); Gebühren können aber im Falle von Mahnungen und dergleichen oder bei Kontrollen anfallen (Art. 41 Abs. 2 u. 3 TJPG). Diese werden nach Zeitaufwand berechnet (Art. 68 Abs. 1 TJPV).
5. Welche Übergangsfristen gelten für bestehende Gesellschaften?
Für bestehende juristische Personen sieht Art. 51 TJPG eine gestaffelte Übergangsregelung vor. Gesellschaften, bei denen alle wirtschaftlich berechtigten Personen bereits als Gesellschafterinnen, Gesellschafter oder Organe im Handelsregister eingetragen sind, müssen die Meldung grundsätzlich spätestens zwei Jahre nach Inkrafttreten des TJPG vornehmen (Art. 51 Abs. 2 TJPG).
Für die übrigen Gesellschaften gelten gemäss Art. 51 Abs. 3 TJPG je nach Rechtsform und Revisionspflicht kürzere Fristen:
| Gesellschaft | Frist ab Inkrafttreten |
| AG mit ordentlicher Revision | 3 Monate |
| Andere Gesellschaft mit ordentlicher Revision | 4 Monate |
| AG ohne Voraussetzungen für ordentliche Revision | 5 Monate |
| Andere Gesellschaften ohne Voraussetzungen für eingeschränkte Revision | 6 Monate |
Erfolgt nach dem 1. Oktober 2026 eine erste Änderung des Handelsregistereintrags, müssen juristische Personen des schweizerischen Privatrechts die nach Art. 9 TJPG erforderliche Meldung innerhalb eines Monats nach dieser ersten Änderung vornehmen. Dies gilt vorbehaltlich der in Art. 51 Abs. 2 und 3 TJPG vorgesehenen Fristen (Art. 51 Abs. 1 TJPG).
Für ausländische juristische Personen sieht Art. 53 TJPG eine Frist von sechs Monaten nach Inkrafttreten vor.
6. Was geschieht bei Verletzung der Meldepflicht?
Die neuen Pflichten sind auch deshalb von Bedeutung, weil das TJPG erhebliche Sanktionen vorsieht. Gemäss Art. 43 TJPG wird mit einer Busse von bis zu CHF 500’000 bestraft, wer vorsätzlich:
- die Meldepflichten nach Art. 13, 14 oder 17 TJPG verletzt;
- die erforderliche Meldung an das Transparenz- oder Handelsregister nach Art. 9–11 bzw. Art. 17 TJPG unterlässt; oder
- gegenüber der Kontrollstelle oder deren Beauftragten falsche Angaben macht.
Daneben sieht das Gesetz weitere verwaltungsrechtliche Massnahmen vor. Bei wiederholten oder trotz Aufforderung nicht behobenen Verletzungen können unter bestimmten Voraussetzungen insbesondere die Mitwirkungs- und Vermögensrechte von Aktionärinnen, Aktionären, Gesellschafterinnen oder Gesellschaftern suspendiert werden. In besonders gravierenden Fällen kann die Kontrollstelle sogar die Auflösung und Liquidation der Rechtseinheit nach den Vorschriften über den Konkurs anordnen (Art. 38 TJPG).
7. Herausforderung
Die praktische Herausforderung des neuen Transparenzregimes liegt weniger in der eigentlichen Meldung als in der korrekten Ermittlung der wirtschaftlich berechtigten Personen (Galli/Vischer, a.a.O, S. 1001). Besonders anspruchsvoll wird dies bei mehrstufigen Beteiligungsstrukturen, indirekten Beteiligungen, gemeinsamer Kontrolle oder vertraglichen Kontrollrechten. Die Kontrollkette muss bis zu den letztlich kontrollierenden natürlichen Personen zurückverfolgt werden. Dies gilt auch bei Strukturen unter Einbezug von Trusts und Treuhandverhältnissen. Das Bundesamt für Justiz stellt hierzu konkrete Fallbeispiele zur Verfügung.
Geschrieben von Elena Oetterli
English version
New Transparency Register as of 1 October 2026: What Companies Need to Know
As of 1 October 2026, new transparency and reporting obligations will apply to numerous companies in Switzerland. On this date, the Federal Act on the Transparency of Legal Entities and the Identification of Beneficial Owners (German abbreviation : TJPG) together with the corresponding Ordinance (TJPV), will enter into force. It introduces a central, non-public Transparency Register. Companies will henceforth be required to identify, verify, document and report their beneficial owners.
1. What is the new Transparency Register?
The purpose of the TJPG is to make information on the beneficial owners of companies centrally available and thereby, in particular, strengthen the fight against money laundering and financial crime (Art. 1 TJPG).
Pursuant to Art. 20 TJPG, the Transparency Register is maintained by the Federal Office of Justice and is not publicly accessible. Access is granted only to the authorities and other entities authorised by law (Art. 25 et seq. TJPG). In addition to a broad range of authorities, in particular various criminal prosecution and investigative authorities as well as authorities responsible for combating money laundering, (social) insurance fraud and undeclared work or for international administrative assistance in tax matters, this also includes financial intermediaries and advisers within the meaning of Art. 2 of the Anti-Money Laundering Act (AMLA), as well as self-regulatory organisations.
2. Which companies are affected?
The TJPG applies to a broad range of legal entities. These include, in particular:
- corporations (Aktiengesellschaften, AG);
- limited liability companies (Gesellschaften mit beschränkter Haftung, GmbH);
- cooperatives;
- and other legal entities listed in Art. 2 TJPG.
Certain legal entities incorporated under foreign law are also covered by the TJPG if they have a sufficient connection to Switzerland, in particular if they have a branch, their actual place of management or real estate in Switzerland.
At the same time, Art. 3 TJPG provides for various exemptions. These include, among others, companies that are wholly or partially listed on a stock exchange and their subsidiaries in which more than 75% of the shares are held, occupational pension schemes (the fact that subsidiaries in which more than 75% of the shares are held are not mentioned here appears to be a legislative oversight; see Galli Dario/Vischer Markus, Die Übergangsbestimmungen des TJPG, AJP 9/2026, p. 1005), as well as legal entities in which at least 75% of the participation rights are held directly or indirectly by public authorities.
3. What obligations apply to the company?
The company’s obligations are set out in Arts. 7–12 TJPG. The company must identify its beneficial owners and verify their information (Art. 7 TJPG). Beneficial owners are natural persons who control a company, directly or indirectly, alone or jointly with third parties, through at least 25% of the capital or voting rights or in another way. The circumstances in which control is exercised “in another way” are specified in greater detail in Art. 3 TJPV. Such control exists in particular where a person can appoint or remove the majority of the members of the management or governing body, has a veto right over material corporate decisions, or can bring about decisions concerning profit distributions or other dispositions of assets. Control may arise, among other things, from contracts, capital instruments, the articles of association or fiduciary arrangements and may also be exercised indirectly. If no such person can be identified, the most senior member of the governing body is deemed to be the beneficial owner on a subsidiary basis (Art. 4 para. 2 TJPG). In the case of indirect or complex ownership structures, the entire chain of control must therefore be examined. In addition to ownership interests, other statutory, constitutional or contractual means of exercising control must also be analysed.
The information collected must be documented and kept up to date. The relevant documents must be retained for ten years after the circumstances reported to the register cease to exist (Art. 8 TJPG). The beneficial owner is, in turn, required to provide the company with the necessary information and must also notify the company of any changes so that the company can comply with its own reporting obligations.
4. Reporting to the Transparency Register
The company must report its beneficial owners to the Transparency Register. The information to be reported includes, in particular, the person’s surname, first name, date of birth, nationality, municipality and country of residence, as well as information on the nature and extent of the control (Art. 9 para. 1 TJPG).
For newly incorporated companies, the reporting deadline is one month from registration in the Commercial Register (Art. 9 para. 4 TJPG). Changes to information already registered must also be reported. In addition, newly arising circumstances must be reported, even where this goes beyond the wording of the Act (see Galli/Vischer, ibid., pp. 1001 et seq., 1010). The company must report the relevant change within one month of becoming aware of it (Art. 10 TJPG).
Responsibility for ensuring that the notification is duly filed lies with the most senior member of the governing body (Art. 12 TJPG).
Registration, amendment and deletion are generally free of charge (Art. 41 para. 1 TJPG). Fees may, however, be charged in cases such as reminders or inspections (Art. 41 paras. 2 and 3 TJPG). Such fees are calculated based on the time required (Art. 68 para. 1 TJPV).
5. What transitional periods apply to existing companies?
For existing legal entities, Art. 51 TJPG provides for a staggered transitional regime. Companies for which all beneficial owners are already registered in the Commercial Register as shareholders, members or governing bodies must generally submit the notification no later than two years after the TJPG enters into force (Art. 51 para. 2 TJPG).
For the other companies, Art. 51 para. 3 TJPG provides for shorter deadlines depending on their legal form and audit requirements:
| Company | Deadline from entry into force |
| AG subject to an ordinary audit | 3 months |
| Other company subject to an ordinary audit | 4 months |
| AG not subject to the requirements for an ordinary audit | 5 months |
| Other companies not subject to the requirements for a limited audit | 6 months |
If a first amendment to the Commercial Register entry is made after 1 October 2026, legal entities under Swiss private law must submit the notification required under Art. 9 TJPG within one month of that first amendment. This is subject to the deadlines provided for in Art. 51 paras. 2 and 3 TJPG (Art. 51 para. 1 TJPG).
For legal entities incorporated under foreign law, Art. 53 TJPG provides for a period of six months from the entry into force of the Act.
6. What happens if the reporting obligation is violated?
The new obligations are also significant because the TJPG provides for substantial sanctions. Pursuant to Art. 43 TJPG, anyone who intentionally:
- violates the reporting obligations under Arts. 13, 14 or 17 TJPG;
- fails to make the required notification to the Transparency Register or the Commercial Register pursuant to Arts. 9–11 or Art. 17 TJPG; or
- provides false information to the supervisory authority or persons appointed by it,
may be subject to a fine of up to CHF 500,000.
The Act also provides for further administrative measures. In certain circumstances, repeated violations or violations that remain unremedied despite a formal request may result, in particular, in the suspension of the participation and financial rights of shareholders or members. In particularly serious cases, the supervisory authority may even order the dissolution and liquidation of the legal entity in accordance with the provisions governing bankruptcy (Art. 38 TJPG
7. The key practical challenge
The practical challenge posed by the new transparency regime lies less in the actual filing of the notification than in correctly identifying the beneficial owners (Galli/Vischer, ibid., p. 1001). This is particularly challenging in multi-level ownership structures, indirect holdings, joint control arrangements and cases involving contractual control rights. The entire chain of control must be traced to the natural persons ultimately exercising control. This also applies to structures involving trusts and fiduciary arrangements. The Federal Office of Justice provides specific case examples illustrating the identification of beneficial owners in different structures.
Written by Elena Oetterli
